Was ist 24-Stunden-Pflege?
Bei der 24-Stunden-Pflege — auch Live-in-Betreuung oder 24-Stunden-Betreuung genannt — zieht eine Betreuungskraft in den Haushalt der pflegebedürftigen Person ein. Sie unterstützt bei der Grundpflege, Hauswirtschaft, Mahlzeiten, Mobilität und leistet Gesellschaft.
Wichtig zu verstehen: Der Begriff „24-Stunden-Pflege" ist umgangssprachlich. Tatsächlich arbeitet niemand rund um die Uhr. Nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) darf die tägliche Arbeitszeit 10 Stunden nicht überschreiten, und es müssen mindestens 11 Stunden Ruhezeit eingehalten werden.
Pflege vs. Betreuung
Die meisten 24-Stunden-Kräfte sind keine examinierten Pflegefachkräfte. Sie übernehmen Betreuung, Hauswirtschaft und einfache Grundpflege. Für medizinische Behandlungspflege (Injektionen, Wundversorgung, Katheter) ist zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst erforderlich — die Kosten dafür werden über Pflegesachleistungen (§36 SGB XI) abgerechnet.
Die drei legalen Modelle der 24-Stunden-Pflege
Für die Organisation einer legalen 24-Stunden-Betreuung gibt es drei anerkannte Modelle. Jedes hat unterschiedliche Kosten, rechtliche Anforderungen und Verantwortlichkeiten.
1. Arbeitgebermodell: Direkte Anstellung
Sie stellen die Betreuungskraft selbst als Haushaltshilfe ein. Sie sind Arbeitgeber mit allen Pflichten: Arbeitsvertrag, Sozialversicherung, Lohnfortzahlung, Urlaubsanspruch und Einhaltung des Mindestlohns.
Vorteile
- Volle Kontrolle über die Betreuungskraft
- Steuerliche Absetzbarkeit (§35a EStG)
- Rechtlich eindeutig
Nachteile
- Höchste Kosten (3.500–5.000 Euro/Monat)
- Hoher Verwaltungsaufwand
- Ersatzkraft selbst organisieren
2. Entsendemodell: Vermittlung über EU-Agentur
Eine Agentur im EU-Ausland (häufig Polen, Rumänien oder Bulgarien) entsendet eine Betreuungskraft nach Deutschland. Die Kraft bleibt beim ausländischen Arbeitgeber angestellt und sozialversichert. Der deutsche Haushalt zahlt eine monatliche Dienstleistungsgebühr an die Agentur.
Vorteile
- Günstigste legale Option (2.200–3.000 Euro/Monat)
- Agentur stellt Ersatzkraft bei Ausfall
- Geringer Verwaltungsaufwand
Nachteile
- Sprachbarriere möglich
- Wechselnde Betreuungskräfte (Turnusmodell)
- Qualitätskontrolle schwieriger
A1-Bescheinigung prüfen: Die Betreuungskraft muss eine gültige A1-Bescheinigung vorlegen, die nachweist, dass sie im Heimatland sozialversichert ist. Ohne dieses Dokument drohen Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen.
3. Selbstständigenmodell: Freiberufliche Betreuungskraft
Die Betreuungskraft arbeitet als selbstständige Dienstleisterin mit Gewerbeschein. Dieses Modell ist rechtlich heikel: Wenn die Kraft ausschließlich in einem Haushalt arbeitet und weisungsgebunden ist, kann eine Scheinselbstständigkeit vorliegen — mit erheblichen Nachzahlungsforderungen für den Auftraggeber.
Vorteile
- Flexible Gestaltung
- Mittlere Kosten
Nachteile
- Hohes Risiko der Scheinselbstständigkeit
- Rechtlich unsicher
- Kein Ersatz bei Ausfall
Kosten der 24-Stunden-Pflege im Überblick
Die monatlichen Kosten variieren je nach Modell, Qualifikation der Betreuungskraft und dem individuellen Pflegebedarf erheblich. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die üblichen Kostenspannen:
| Modell | Kosten pro Monat | Deutschkenntnisse |
|---|---|---|
| Entsendemodell (Grundkenntnisse) | 2.200–2.600 Euro | A2–B1 |
| Entsendemodell (gute Kenntnisse) | 2.600–3.200 Euro | B1–B2 |
| Entsendemodell (Pflegeerfahrung) | 3.000–3.500 Euro | B2+ |
| Direkte Anstellung (Arbeitgeber) | 3.500–5.000 Euro | variabel |
| Zum Vergleich: Pflegeheim | 2.468 Euro Eigenanteil | — |
Pflegeheim-Eigenanteil: Bundesdurchschnitt laut vdek (2024). Zusätzlich zahlt die Pflegekasse je nach Pflegegrad 770–2.005 Euro monatlich (§43 SGB XI).
Zusätzliche Kosten beachten
Neben der monatlichen Agenturgebühr kommen Kosten für Unterkunft und Verpflegung der Betreuungskraft hinzu (ca. 200–300 Euro/Monat). Bei Bedarf an medizinischer Behandlungspflege entstehen Zusatzkosten für einen ambulanten Pflegedienst. Diese können jedoch über Pflegesachleistungen (§36 SGB XI) abgerechnet werden.
Zuschüsse und Finanzierung
Für die 24-Stunden-Pflege gibt es keinen eigenen Zuschuss der Pflegekasse. Sie können jedoch mehrere bestehende Leistungen kombinieren, um die Kosten deutlich zu senken:
| Leistung | Pflegegrad 3 | Pflegegrad 4 | Pflegegrad 5 |
|---|---|---|---|
| Pflegegeld (§37 SGB XI) | 545 Euro | 728 Euro | 901 Euro |
| Entlastungsbetrag (§45b SGB XI) | 125 Euro | 125 Euro | 125 Euro |
| Verhinderungspflege (§39 SGB XI, anteilig) | ~134 Euro/Monat | ~134 Euro/Monat | ~134 Euro/Monat |
| Steuerersparnis (§35a EStG) | Bis zu 4.000 Euro/Jahr absetzbar | ||
| Summe Zuschüsse/Monat | ~804 Euro | ~987 Euro | ~1.160 Euro |
Verhinderungspflege: 1.685 Euro/Jahr auf 12 Monate umgerechnet. Steuerersparnis abhängig vom individuellen Steuersatz.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die 24-Stunden-Pflege unterliegt mehreren Gesetzen, die sowohl Arbeitnehmer als auch Auftraggeber schützen. Die wichtigsten Regelungen:
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG): Maximal 10 Stunden Arbeit pro Tag, mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit. Bereitschaftszeit zählt als Arbeitszeit.
- Mindestlohn: Gilt auch für ausländische Betreuungskräfte in Deutschland. Seit Januar 2025 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 12,82 Euro pro Stunde.
- A1-Bescheinigung: Beim Entsendemodell muss die Betreuungskraft nachweisen, dass sie im Heimatland sozialversichert ist. Ohne A1-Bescheinigung haftet der Auftraggeber für Sozialversicherungsbeiträge in Deutschland.
- Schwarzarbeit: Betreuung ohne Vertrag und Sozialabgaben ist eine Ordnungswidrigkeit. Bei Aufdeckung drohen Nachzahlungen, Bußgelder und der Verlust des Versicherungsschutzes bei Unfällen der Betreuungskraft.
EuGH-Urteil zur Arbeitszeit
Der Europäische Gerichtshof hat in mehreren Urteilen klargestellt, dass Bereitschaftszeit im Haushalt als Arbeitszeit gilt, wenn die Betreuungskraft den Haushalt nicht verlassen darf. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die zulässige tägliche Einsatzzeit und die Kosten legaler 24-Stunden-Pflege.
24-Stunden-Pflege vs. Pflegeheim: Was passt besser?
Beide Betreuungsformen haben Vor- und Nachteile. Die richtige Wahl hängt vom Pflegebedarf, den finanziellen Möglichkeiten und den persönlichen Wünschen ab.
| Kriterium | 24-Stunden-Pflege | Pflegeheim |
|---|---|---|
| Umgebung | Eigenes Zuhause | Stationäre Einrichtung |
| Kosten (Eigenanteil) | 2.200–5.000 Euro/Monat | Ø 2.468 Euro/Monat |
| Medizinische Versorgung | Ergänzend durch ambulanten Dienst | Rund um die Uhr durch Fachkräfte |
| Betreuungsverhältnis | 1:1 Betreuung | 1 Kraft für mehrere Bewohner |
| Soziale Kontakte | Gewohntes Umfeld, aber eingeschränkt | Gemeinschaftsangebote, Mitbewohner |
| Geeignet bei | Pflegegrad 2–4, Wunsch zu Hause zu bleiben | Pflegegrad 3–5, hoher medizinischer Bedarf |
Bei Pflegegrad 5 oder bei schwerer Demenz mit Weglauftendenz ist ein Pflegeheim häufig die sicherere Wahl, da hier geschulte Fachkräfte rund um die Uhr verfügbar sind. Vergleichen Sie Einrichtungen in Ihrer Nähe auf pflegeheim-vergleichen.de.
So finden Sie eine seriöse Agentur
Die Qualität der Agenturen variiert erheblich. Achten Sie bei der Auswahl auf diese Punkte:
A1-Bescheinigung vorhanden
Jede Betreuungskraft muss eine gültige A1-Bescheinigung vorlegen. Lassen Sie sich das Dokument vor Einsatzbeginn zeigen.
Transparente Kostenaufstellung
Seriöse Agenturen schlüsseln alle Kosten auf: Agenturgebühr, Gehalt der Betreuungskraft, Sozialabgaben, An- und Abreisekosten.
Schriftlicher Vertrag
Bestehen Sie auf einem schriftlichen Dienstleistungsvertrag mit Kündigungsfristen, Haftungsregelungen und Datenschutzbestimmungen.
Ersatzkraft bei Ausfall
Klären Sie vorab, wie schnell eine Ersatzkraft gestellt wird, wenn die Betreuungsperson krank wird oder ausfällt.
Deutschsprachiger Ansprechpartner
Die Agentur sollte einen festen deutschsprachigen Ansprechpartner bieten, der bei Problemen oder Fragen erreichbar ist.