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24-Stunden-Pflege: Kosten, Modelle und Alternativen

Die 24-Stunden-Pflege ermöglicht pflegebedürftigen Menschen, in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben und dort von einer im Haushalt lebenden Betreuungskraft versorgt zu werden. Die Kosten beginnen beim Entsendemodell ab rund 2.200 Euro monatlich. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis, 2023) werden rund 84 % der 4,96 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause versorgt — die 24-Stunden-Betreuung ist dabei eine der intensivsten ambulanten Pflegeformen.

Veröffentlicht am 12. März 2026 · Zuletzt aktualisiert: 12. März 2026 · Lesezeit: ca. 11 Min.

Redaktion: Pflegeheim-Vergleich · Quellen: Destatis Pflegestatistik 2023, §37/§36 SGB XI, ArbZG (Arbeitszeitgesetz), vdek Eigenanteil-Statistik 2024

Was ist 24-Stunden-Pflege?

Bei der 24-Stunden-Pflege — auch Live-in-Betreuung oder 24-Stunden-Betreuung genannt — zieht eine Betreuungskraft in den Haushalt der pflegebedürftigen Person ein. Sie unterstützt bei der Grundpflege, Hauswirtschaft, Mahlzeiten, Mobilität und leistet Gesellschaft.

Wichtig zu verstehen: Der Begriff „24-Stunden-Pflege" ist umgangssprachlich. Tatsächlich arbeitet niemand rund um die Uhr. Nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) darf die tägliche Arbeitszeit 10 Stunden nicht überschreiten, und es müssen mindestens 11 Stunden Ruhezeit eingehalten werden.

Pflege vs. Betreuung

Die meisten 24-Stunden-Kräfte sind keine examinierten Pflegefachkräfte. Sie übernehmen Betreuung, Hauswirtschaft und einfache Grundpflege. Für medizinische Behandlungspflege (Injektionen, Wundversorgung, Katheter) ist zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst erforderlich — die Kosten dafür werden über Pflegesachleistungen (§36 SGB XI) abgerechnet.

Die drei legalen Modelle der 24-Stunden-Pflege

Für die Organisation einer legalen 24-Stunden-Betreuung gibt es drei anerkannte Modelle. Jedes hat unterschiedliche Kosten, rechtliche Anforderungen und Verantwortlichkeiten.

1. Arbeitgebermodell: Direkte Anstellung

Sie stellen die Betreuungskraft selbst als Haushaltshilfe ein. Sie sind Arbeitgeber mit allen Pflichten: Arbeitsvertrag, Sozialversicherung, Lohnfortzahlung, Urlaubsanspruch und Einhaltung des Mindestlohns.

Vorteile

  • Volle Kontrolle über die Betreuungskraft
  • Steuerliche Absetzbarkeit (§35a EStG)
  • Rechtlich eindeutig

Nachteile

  • Höchste Kosten (3.500–5.000 Euro/Monat)
  • Hoher Verwaltungsaufwand
  • Ersatzkraft selbst organisieren

2. Entsendemodell: Vermittlung über EU-Agentur

Eine Agentur im EU-Ausland (häufig Polen, Rumänien oder Bulgarien) entsendet eine Betreuungskraft nach Deutschland. Die Kraft bleibt beim ausländischen Arbeitgeber angestellt und sozialversichert. Der deutsche Haushalt zahlt eine monatliche Dienstleistungsgebühr an die Agentur.

Vorteile

  • Günstigste legale Option (2.200–3.000 Euro/Monat)
  • Agentur stellt Ersatzkraft bei Ausfall
  • Geringer Verwaltungsaufwand

Nachteile

  • Sprachbarriere möglich
  • Wechselnde Betreuungskräfte (Turnusmodell)
  • Qualitätskontrolle schwieriger

A1-Bescheinigung prüfen: Die Betreuungskraft muss eine gültige A1-Bescheinigung vorlegen, die nachweist, dass sie im Heimatland sozialversichert ist. Ohne dieses Dokument drohen Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen.

3. Selbstständigenmodell: Freiberufliche Betreuungskraft

Die Betreuungskraft arbeitet als selbstständige Dienstleisterin mit Gewerbeschein. Dieses Modell ist rechtlich heikel: Wenn die Kraft ausschließlich in einem Haushalt arbeitet und weisungsgebunden ist, kann eine Scheinselbstständigkeit vorliegen — mit erheblichen Nachzahlungsforderungen für den Auftraggeber.

Vorteile

  • Flexible Gestaltung
  • Mittlere Kosten

Nachteile

  • Hohes Risiko der Scheinselbstständigkeit
  • Rechtlich unsicher
  • Kein Ersatz bei Ausfall

Kosten der 24-Stunden-Pflege im Überblick

Die monatlichen Kosten variieren je nach Modell, Qualifikation der Betreuungskraft und dem individuellen Pflegebedarf erheblich. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die üblichen Kostenspannen:

Modell Kosten pro Monat Deutschkenntnisse
Entsendemodell (Grundkenntnisse) 2.200–2.600 Euro A2–B1
Entsendemodell (gute Kenntnisse) 2.600–3.200 Euro B1–B2
Entsendemodell (Pflegeerfahrung) 3.000–3.500 Euro B2+
Direkte Anstellung (Arbeitgeber) 3.500–5.000 Euro variabel
Zum Vergleich: Pflegeheim 2.468 Euro Eigenanteil

Pflegeheim-Eigenanteil: Bundesdurchschnitt laut vdek (2024). Zusätzlich zahlt die Pflegekasse je nach Pflegegrad 770–2.005 Euro monatlich (§43 SGB XI).

Zusätzliche Kosten beachten

Neben der monatlichen Agenturgebühr kommen Kosten für Unterkunft und Verpflegung der Betreuungskraft hinzu (ca. 200–300 Euro/Monat). Bei Bedarf an medizinischer Behandlungspflege entstehen Zusatzkosten für einen ambulanten Pflegedienst. Diese können jedoch über Pflegesachleistungen (§36 SGB XI) abgerechnet werden.

Zuschüsse und Finanzierung

Für die 24-Stunden-Pflege gibt es keinen eigenen Zuschuss der Pflegekasse. Sie können jedoch mehrere bestehende Leistungen kombinieren, um die Kosten deutlich zu senken:

Leistung Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pflegegrad 5
Pflegegeld (§37 SGB XI) 545 Euro 728 Euro 901 Euro
Entlastungsbetrag (§45b SGB XI) 125 Euro 125 Euro 125 Euro
Verhinderungspflege (§39 SGB XI, anteilig) ~134 Euro/Monat ~134 Euro/Monat ~134 Euro/Monat
Steuerersparnis (§35a EStG) Bis zu 4.000 Euro/Jahr absetzbar
Summe Zuschüsse/Monat ~804 Euro ~987 Euro ~1.160 Euro

Verhinderungspflege: 1.685 Euro/Jahr auf 12 Monate umgerechnet. Steuerersparnis abhängig vom individuellen Steuersatz.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die 24-Stunden-Pflege unterliegt mehreren Gesetzen, die sowohl Arbeitnehmer als auch Auftraggeber schützen. Die wichtigsten Regelungen:

  • Arbeitszeitgesetz (ArbZG): Maximal 10 Stunden Arbeit pro Tag, mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit. Bereitschaftszeit zählt als Arbeitszeit.
  • Mindestlohn: Gilt auch für ausländische Betreuungskräfte in Deutschland. Seit Januar 2025 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 12,82 Euro pro Stunde.
  • A1-Bescheinigung: Beim Entsendemodell muss die Betreuungskraft nachweisen, dass sie im Heimatland sozialversichert ist. Ohne A1-Bescheinigung haftet der Auftraggeber für Sozialversicherungsbeiträge in Deutschland.
  • Schwarzarbeit: Betreuung ohne Vertrag und Sozialabgaben ist eine Ordnungswidrigkeit. Bei Aufdeckung drohen Nachzahlungen, Bußgelder und der Verlust des Versicherungsschutzes bei Unfällen der Betreuungskraft.

EuGH-Urteil zur Arbeitszeit

Der Europäische Gerichtshof hat in mehreren Urteilen klargestellt, dass Bereitschaftszeit im Haushalt als Arbeitszeit gilt, wenn die Betreuungskraft den Haushalt nicht verlassen darf. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die zulässige tägliche Einsatzzeit und die Kosten legaler 24-Stunden-Pflege.

24-Stunden-Pflege vs. Pflegeheim: Was passt besser?

Beide Betreuungsformen haben Vor- und Nachteile. Die richtige Wahl hängt vom Pflegebedarf, den finanziellen Möglichkeiten und den persönlichen Wünschen ab.

Kriterium 24-Stunden-Pflege Pflegeheim
Umgebung Eigenes Zuhause Stationäre Einrichtung
Kosten (Eigenanteil) 2.200–5.000 Euro/Monat Ø 2.468 Euro/Monat
Medizinische Versorgung Ergänzend durch ambulanten Dienst Rund um die Uhr durch Fachkräfte
Betreuungsverhältnis 1:1 Betreuung 1 Kraft für mehrere Bewohner
Soziale Kontakte Gewohntes Umfeld, aber eingeschränkt Gemeinschaftsangebote, Mitbewohner
Geeignet bei Pflegegrad 2–4, Wunsch zu Hause zu bleiben Pflegegrad 3–5, hoher medizinischer Bedarf

Bei Pflegegrad 5 oder bei schwerer Demenz mit Weglauftendenz ist ein Pflegeheim häufig die sicherere Wahl, da hier geschulte Fachkräfte rund um die Uhr verfügbar sind. Vergleichen Sie Einrichtungen in Ihrer Nähe auf pflegeheim-vergleichen.de.

So finden Sie eine seriöse Agentur

Die Qualität der Agenturen variiert erheblich. Achten Sie bei der Auswahl auf diese Punkte:

1

A1-Bescheinigung vorhanden

Jede Betreuungskraft muss eine gültige A1-Bescheinigung vorlegen. Lassen Sie sich das Dokument vor Einsatzbeginn zeigen.

2

Transparente Kostenaufstellung

Seriöse Agenturen schlüsseln alle Kosten auf: Agenturgebühr, Gehalt der Betreuungskraft, Sozialabgaben, An- und Abreisekosten.

3

Schriftlicher Vertrag

Bestehen Sie auf einem schriftlichen Dienstleistungsvertrag mit Kündigungsfristen, Haftungsregelungen und Datenschutzbestimmungen.

4

Ersatzkraft bei Ausfall

Klären Sie vorab, wie schnell eine Ersatzkraft gestellt wird, wenn die Betreuungsperson krank wird oder ausfällt.

5

Deutschsprachiger Ansprechpartner

Die Agentur sollte einen festen deutschsprachigen Ansprechpartner bieten, der bei Problemen oder Fragen erreichbar ist.

Häufig gestellte Fragen zur 24-Stunden-Pflege

Was kostet eine 24-Stunden-Pflege zu Hause?
Die Kosten für eine 24-Stunden-Pflege liegen je nach Modell und Anbieter zwischen 2.200 und 5.000 Euro pro Monat. Das Entsendemodell mit Betreuungskräften aus Osteuropa ist mit 2.200 bis 3.000 Euro die günstigste Variante. Eine legale Anstellung über eine deutsche Agentur kostet 3.500 bis 5.000 Euro monatlich. Pflegegeld und Verhinderungspflege können gegengerechnet werden.
Zahlt die Pflegekasse Zuschüsse für 24-Stunden-Pflege?
Die Pflegekasse zahlt keinen spezifischen Zuschuss für 24-Stunden-Pflege. Sie können jedoch das monatliche Pflegegeld (§37 SGB XI) und Pflegesachleistungen (§36 SGB XI) nutzen. Bei Pflegegrad 3 sind das beispielsweise 599 Euro Pflegegeld oder 1.497 Euro Sachleistungen. Zusätzlich steht der Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich (§45b SGB XI) zur Verfügung.
Ist 24-Stunden-Pflege legal?
Ja, 24-Stunden-Pflege ist legal, wenn sie korrekt organisiert wird. Es gibt drei legale Modelle: Anstellung als Haushaltshilfe (mit Arbeitsvertrag und Sozialversicherung), Beauftragung einer deutschen Vermittlungsagentur oder das Entsendemodell über eine EU-Agentur mit A1-Bescheinigung. Illegale Schwarzarbeit — ohne Vertrag und Sozialabgaben — birgt erhebliche rechtliche und finanzielle Risiken.
Was ist das Entsendemodell bei der 24-Stunden-Pflege?
Beim Entsendemodell entsendet ein Arbeitgeber im EU-Ausland (häufig Polen, Rumänien, Bulgarien) eine Betreuungskraft nach Deutschland. Die Kraft bleibt beim ausländischen Arbeitgeber angestellt und sozialversichert (nachgewiesen durch die A1-Bescheinigung). Der deutsche Haushalt schließt einen Dienstleistungsvertrag mit der Agentur. Dieses Modell ist legal und die verbreitetste Form der 24-Stunden-Betreuung.
Welchen Pflegegrad braucht man für 24-Stunden-Pflege?
Einen bestimmten Pflegegrad brauchen Sie für die 24-Stunden-Pflege grundsätzlich nicht — Sie können diese Betreuung privat organisieren. Allerdings erhalten Sie Zuschüsse der Pflegekasse erst ab Pflegegrad 2. In der Praxis ist 24-Stunden-Betreuung vor allem bei Pflegegrad 3 bis 5 sinnvoll, da hier der Betreuungsbedarf die Möglichkeiten ambulanter Pflege übersteigt.
Was ist der Unterschied zwischen 24-Stunden-Pflege und einem Pflegeheim?
Bei der 24-Stunden-Pflege lebt eine Betreuungskraft im Haushalt der pflegebedürftigen Person und unterstützt im Alltag. Die Person bleibt in ihrer gewohnten Umgebung. Im Pflegeheim erfolgt die Versorgung stationär durch Fachpflegekräfte rund um die Uhr. Der durchschnittliche Eigenanteil im Pflegeheim liegt bei 2.468 Euro monatlich (vdek, 2024). Die 24-Stunden-Pflege ist vergleichbar teuer, bietet aber mehr Individualität.
Arbeitet die Betreuungskraft wirklich 24 Stunden am Tag?
Nein. Trotz des Namens arbeitet niemand tatsächlich 24 Stunden. Nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) sind maximal 10 Stunden Arbeitszeit pro Tag erlaubt, mit vorgeschriebenen Ruhezeiten von mindestens 11 Stunden. Die Betreuungskraft ist tagsüber im Haushalt anwesend und steht für Betreuung und Hauswirtschaft zur Verfügung. Nächtliche Pflegeinsätze müssen gesondert geregelt werden.
Wie finde ich eine seriöse 24-Stunden-Pflege-Agentur?
Achten Sie auf folgende Punkte: Die Agentur stellt eine A1-Bescheinigung für jede Betreuungskraft bereit, es gibt einen schriftlichen Dienstleistungsvertrag, die Kosten sind transparent aufgeschlüsselt, die Agentur bietet eine Ersatzkraft bei Ausfall, und es gibt deutschsprachige Ansprechpartner. Prüfen Sie Bewertungen und fragen Sie nach Referenzen. Vermeiden Sie Anbieter, die Barzahlung verlangen oder keine Verträge vorlegen.

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