Eigenanteil nach Bundesland — die große Übersicht
Die folgende Tabelle zeigt den durchschnittlichen monatlichen Eigenanteil für einen vollstationären Pflegeheimplatz in allen 16 Bundesländern. Alle Angaben beziehen sich auf das erste Aufenthaltsjahr, also vor Anrechnung der Leistungszuschläge nach § 43c SGB XI. Quelle: vdek Eigenanteil-Statistik, Stand Juli 2024.
| Bundesland | Pflege | Unterkunft | Verpflegung | Invest. | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| Sachsen | 538 € | 431 € | 310 € | 369 € | 1.648 € |
| Thüringen | 563 € | 440 € | 314 € | 375 € | 1.692 € |
| Sachsen-Anhalt | 582 € | 445 € | 321 € | 383 € | 1.731 € |
| Mecklenburg-Vorpommern | 611 € | 434 € | 318 € | 390 € | 1.753 € |
| Brandenburg | 688 € | 498 € | 346 € | 438 € | 1.970 € |
| Bremen | 764 € | 524 € | 375 € | 362 € | 2.025 € |
| Niedersachsen | 866 € | 557 € | 384 € | 428 € | 2.235 € |
| Schleswig-Holstein | 867 € | 561 € | 388 € | 421 € | 2.237 € |
| Hamburg | 785 € | 591 € | 397 € | 468 € | 2.241 € |
| Berlin | 797 € | 582 € | 381 € | 515 € | 2.275 € |
| Rheinland-Pfalz | 978 € | 564 € | 389 € | 463 € | 2.394 € |
| Bayern | 985 € | 600 € | 390 € | 442 € | 2.417 € |
| Hessen | 1.024 € | 598 € | 401 € | 493 € | 2.516 € |
| Saarland | 1.086 € | 575 € | 394 € | 472 € | 2.527 € |
| Nordrhein-Westfalen | 1.150 € | 618 € | 407 € | 511 € | 2.686 € |
| Baden-Württemberg | 1.177 € | 638 € | 417 € | 517 € | 2.749 € |
| Bundesschnitt | 855 € | 539 € | 372 € | 447 € | 2.213 € |
Alle Beträge in Euro pro Monat. Eigenanteil im 1. Aufenthaltsjahr, vor Abzug der Leistungszuschläge. Quelle: vdek, Stand Juli 2024.
Die teuersten und günstigsten Bundesländer
Die Spanne beim Eigenanteil ist enorm: Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland liegen 1.101 € monatlich — das sind 13.212 € pro Jahr.
Die 5 günstigsten Bundesländer
- 1. Sachsen 1.648 €
- 2. Thüringen 1.692 €
- 3. Sachsen-Anhalt 1.731 €
- 4. Mecklenburg-Vorpommern 1.753 €
- 5. Brandenburg 1.970 €
Die 5 teuersten Bundesländer
- 1. Baden-Württemberg 2.749 €
- 2. Nordrhein-Westfalen 2.686 €
- 3. Saarland 2.527 €
- 4. Hessen 2.516 €
- 5. Bayern 2.417 €
Auffällig: Die fünf teuersten Bundesländer liegen ausnahmslos in Westdeutschland, während alle ostdeutschen Flächenländer zu den günstigsten gehören. Der größte Kostentreiber ist dabei der pflegebedingte Eigenanteil, der in Baden-Württemberg mit 1.177 € mehr als doppelt so hoch liegt wie in Sachsen (538 €).
Ost-West-Gefälle: Warum die Unterschiede so groß sind
Der durchschnittliche Eigenanteil in westdeutschen Bundesländern liegt bei rund 2.391 € — in Ostdeutschland dagegen bei nur 1.759 €. Die Differenz von 632 € hat mehrere Ursachen:
- Personalkosten: Pflegekräfte in Westdeutschland verdienen im Schnitt 15–20 % mehr als in den neuen Bundesländern. Seit der gesetzlichen Tarifbindungspflicht nach § 72 SGB XI fließen höhere Löhne direkt in den Eigenanteil.
- Immobilienkosten: Grundstücke und Gebäude sind in Bayern, Baden-Württemberg oder NRW deutlich teurer. Die Investitionskosten spiegeln das wider: 517 € in Baden-Württemberg gegenüber 369 € in Sachsen.
- Lebenshaltungskosten: Auch Verpflegung und Unterkunft kosten in Ballungsräumen wie München oder Düsseldorf mehr als in ländlichen Regionen Ostdeutschlands.
- Förderpolitik: Einige Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen gewähren Pflegewohngeld, das die Investitionskosten für Bewohner abfedert — in der Tabelle oben sind diese Zuschüsse jedoch nicht berücksichtigt.
Gut zu wissen
Gemäß § 2 SGB XI haben Pflegebedürftige das Recht auf freie Wahl der Pflegeeinrichtung — auch über Bundeslandgrenzen hinweg. Theoretisch könnten Familien durch einen Wechsel von Baden-Württemberg nach Sachsen über 1.101 € monatlich sparen. In der Praxis spielt jedoch die Nähe zu Angehörigen oft die wichtigere Rolle.
Woraus sich der Eigenanteil zusammensetzt
Der Eigenanteil im Pflegeheim besteht aus vier Kostenblöcken, die im Bundesschnitt wie folgt verteilt sind:
Pflegebedingter Eigenanteil (EEE)
855 €
39 % des Gesamteigenanteils
Unterkunft
539 €
24 % des Gesamteigenanteils
Verpflegung
372 €
17 % des Gesamteigenanteils
Investitionskosten
447 €
20 % des Gesamteigenanteils
Der pflegebedingte Eigenanteil ist der größte Kostenblock und zugleich der mit den größten regionalen Unterschieden. Er wird pro Einrichtung einheitlich festgelegt (daher „einrichtungseinheitlicher Eigenanteil", EEE) — unabhängig vom Pflegegrad. Das heißt: Ob Pflegegrad 2 oder 5, der pflegebedingte Eigenanteil ist innerhalb einer Einrichtung identisch. Den Unterschied macht der Zuschuss der Pflegekasse, der mit höherem Pflegegrad steigt.
Einen umfassenden Überblick aller Kostenbestandteile und Finanzierungsmöglichkeiten finden Sie in unserem Ratgeber zu den Pflegeheim Kosten.
Entwicklung 2020–2026: Wie stark sind die Kosten gestiegen?
Der Eigenanteil im Pflegeheim ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut vdek-Daten hat sich der Bundesschnitt wie folgt entwickelt:
| Jahr | Eigenanteil (Bundesschnitt) | Veränderung |
|---|---|---|
| 2020 | 1.640 € | — |
| 2021 | 1.775 € | +8,2 % |
| 2022 | 1.893 € | +6,6 % |
| 2023 | 2.015 € | +6,4 % |
| 2024 | 2.136 € | +6,0 % |
| 2026 | 2.213 € | +3,6 % |
Der Anstieg hat sich 2025/2026 etwas verlangsamt, liegt aber weiterhin über der allgemeinen Inflationsrate. Hauptgründe für die steigenden Kosten:
- Tarifpflicht: Seit September 2022 müssen Pflegeeinrichtungen ihre Beschäftigten nach Tarif oder tarifähnlich bezahlen (§ 72 SGB XI). Höhere Löhne erhöhen den pflegebedingten Eigenanteil.
- Energiekosten: Gestiegene Strom- und Heizkosten schlagen sich in den Unterkunftskosten nieder.
- Lebensmittelpreise: Die Inflation bei Nahrungsmitteln treibt die Verpflegungskosten.
- Fachkräftemangel: Höhere Gehälter und Prämien zur Gewinnung von Pflegepersonal wirken kostensteigernd.
Laut Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) könnte eine umfassende Pflegereform die Dynamik bremsen. Aktuell gibt es jedoch keine konkreten Gesetzesvorlagen, die eine grundlegende Deckelung des Eigenanteils vorsehen.
Leistungszuschläge: So sinkt der Eigenanteil mit der Zeit
Seit dem 1. Januar 2022 entlasten die Leistungszuschläge gemäß § 43c SGB XI Pflegeheimbewohner mit zunehmender Aufenthaltsdauer. Die Pflegekasse zahlt einen prozentualen Zuschlag auf den pflegebedingten Eigenanteil:
| Aufenthaltsdauer | Zuschlag | Ersparnis (Bundesschnitt) |
|---|---|---|
| Im 1. Jahr | 15% | −128 € |
| Im 2. Jahr | 30% | −257 € |
| Im 3. Jahr | 50% | −428 € |
| Ab dem 4. Jahr | 75% | −641 € |
Ab dem vierten Aufenthaltsjahr sinkt der Gesamteigenanteil im Bundesschnitt damit von 2.213 € auf rund 1.572 € monatlich — eine spürbare Entlastung. Die Zuschläge werden automatisch von der Pflegekasse übernommen; Sie müssen keinen Antrag stellen.
Eigenanteil senken — konkrete Möglichkeiten
Auch wenn der Eigenanteil gesetzlich vorgegeben ist, gibt es mehrere Wege, die finanzielle Belastung zu reduzieren:
1. Einrichtungen vergleichen
Innerhalb eines Bundeslandes unterscheiden sich die Eigenanteile erheblich. Vergleichen Sie Einrichtungen in Ihrer Region — etwa Pflegeheime in Berlin, München oder Hamburg — um die beste Kombination aus Qualität und Kosten zu finden.
2. Pflegewohngeld beantragen
In Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern können einkommensschwache Bewohner Pflegewohngeld erhalten, das die Investitionskosten abdeckt. Im Bundesschnitt sind das 447 € monatlich.
3. Hilfe zur Pflege (Sozialhilfe)
Wer den Eigenanteil nicht aus eigenen Mitteln tragen kann, hat Anspruch auf Hilfe zur Pflege gemäß § 61 SGB XII. Das Schonvermögen von 10.000 Euro pro Person bleibt dabei unangetastet.
4. Entlastungsbetrag nutzen
Der Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI beträgt 125 Euro monatlich und kann für anerkannte Betreuungs- und Entlastungsangebote eingesetzt werden. Im vollstationären Bereich ist er begrenzt einsetzbar, kann aber für Zusatzleistungen genutzt werden.
5. Pflegezusatzversicherung prüfen
Eine private Pflegezusatzversicherung (z. B. Pflege-Bahr mit staatlicher Förderung) kann die Eigenanteilslücke schließen. Idealerweise wird sie frühzeitig abgeschlossen — die Beiträge steigen mit dem Eintrittsalter.
Weitere Details zu den Gesamtkosten und Finanzierungsmöglichkeiten finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber zu den Pflegeheim Kosten 2026.